Wie helfen Immunglobuline bei Autoimmunerkrankungen des Blutes?

Bei Autoimmunerkrankungen zerstört das Immunsystem körpereigene Strukturen. Zu diesen Erkrankungen gehört unter anderem die Immunthrombozytopenie (ITP). Bei dieser Autoimmunkrankheit bildet das Immunsystem des Körpers Antikörper gegen die eigenen Blutplättchen (Thrombozyten). Dadurch sinkt die Anzahl der Thrombozyten, die eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung spielen und die erste Blutstillung bei Verletzungen bewirken. Können die verbleibenden Thrombozyten ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen, treten Blutungen in der Haut und im Körper auf. Die Behandlung mit Immunglobulinen normalisiert die Immunreaktionen und reduziert dadurch den Abbau der Thrombozyten. Die Konzentration an Thrombozyten im Blut steigt nach wenigen Tagen wieder an, nach 3 – 4 Wochen erschöpft sich diese Wirkung jedoch und es kann ohne weitere Behandlung zu einem erneuten Absinken der Thrombozytenzahl kommen.

Wie helfen Immunglobuline bei Autoimmunerkrankungen des Nervensystems?

Bei Autoimmunerkrankungen richten sich die entgleisten Immunreaktionen nicht zwangsläufig gegen Blutzellen.

Die multifokale motorische Neuropathie (MMN) und das Guillain-Barré Syndrom (GBS) sind entzündliche Erkrankungen des Nervensystems, bei der die Nervenscheiden und/oder die Nervenfasern vom körpereigenen Immunsystem angegriffen und zerstört werden. Nervenscheiden haben eine bedeutende Funktion für die Nervenleitung. Durch die Zerstörung der Nervenstrukturen kann es zu Lähmungserscheinungen kommen.

Das GBS ist eine akute Erkrankung, dabei kann der Schweregrad der Erkrankung sehr unterschiedlich sein (von unsicherem Gang und Kribbeln in den Beinen bis hin zur vollständigen Lähmung aller Gliedmaßen mit zum Beispiel Atemlähmung und Herzrhythmusstörungen). Oft entwickeln sich die Symptome über Tage oder Wochen, in der Regel ist die größte Beeinträchtigung nach 2 bis 4 Wochen erreicht. Nach der Akutbehandlung in der Klinik kann ein Rehabilitations-Aufenthalt von mehreren Monaten notwendig sein. Die Gabe von Immunglobulinen verkürzt den Krankheitsverlauf und führt zur Rückbildung der Lähmungen.

Die MMN weist dagegen einen chronischen, langsamen Verlauf auf, bei dem die Symptome auf Arme oder Beine beschränkt bleiben und dabei oftmals am Ende einer Gliedmaße, beispielsweise der Hand, auftreten. Im Gegensatz zum GBS sind bei der MMN die Extremitäten nicht symmetrisch betroffen, sondern asymmetrisch. Bei der MMN vermindert sich die Muskelkraft und kann im Verlauf der Erkrankung bis zum Muskelschwund in den Extremitäten führen. Für die Betroffenen werden einfache manuelle Aufgaben wie beispielsweise das Ankleiden oder das Öffnen von Schraubverschlüssen schwierig bis unmöglich. Unbehandelt schreitet die Krankheit immer weiter voran, aber mit der richtigen Behandlung können ein Stillstand und sogar eine Besserung herbeigeführt werden. Eine Therapie mit Immunglobulinen ist bei der MMN Standard. Der Wirkungseintritt der Immunglobuline erfolgt nach 3 bis 10 Tagen, die maximale Wirkung wird nach ca. zwei Wochen erreicht. Nach einigen Wochen kann die Wirkung jedoch wieder nachlassen und es können ohne weitere Behandlung erneut Schwäche oder Lähmungserscheinungen auftreten. Deshalb muss die Immunglobulin-Therapie ca. alle 4 bis 8 Wochen wiederholt werden.


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