Mit der richtigen Behandlung und kleinen Veränderungen der Lebensweise können die meisten Patienten mit einem primären Immundefekt ein erfülltes Leben führen, indem Infektionen vermieden und das Infektionsrisiko gesenkt werden.1

Wirkprinzip der Immunisierung

Das Immunsystem reagiert normalerweise auf Impfstoffe, indem es die abgeschwächten oder abgetöteten Formen der Erreger bekämpft, aus denen der Impfstoff besteht, und so eine Immunabwehr aufbaut. Bei manchen Menschen mit einem primären Immundefekt ist das Immunsystem aber nicht in der Lage, die Erreger in bestimmten Impfstoffen zu bekämpfen – vor allem bei Impfstoffen auf Basis von Lebendviren, die im Gegensatz zu Totimpfstoffen aus sehr geringen Mengen funktionsfähiger Keime bestehen. Ob ein Impfstoff hilft oder schadet, hängt von der Art der Immunisierung, von der Behandlung des Patienten und vom jeweils vorliegenden primären Immundefekt ab.1

Wie Impfstoffe funktionieren

Bei Impfstoffen wird entweder eine funktionsfähige und abgeschwächte (Lebendimpfstoff) oder eine inaktivierte Form (Totimpfstoff) eines Virus oder Bakteriums verwendet, um dem Immunsystem zu simulieren, dass der Körper von einer Krankheit bedroht wird. So regen die Impfstoffe das Immunsystem zum Produzieren von Antikörpern an. Antikörper sind Bestandteil der körpereigenen Abwehr und helfen beim Bekämpfen von Infektionen durch Viren oder Bakterien. Wenn Sie der betreffenden Infektion dann irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt ausgesetzt sind, wird die Bedrohung von Ihrem entsprechend geschulten Immunsystem erkannt und bekämpft.1

Unterschiedliche Reaktion auf Impfstoffe

Die Reaktion, die durch den Impfstoff ausgelöst wird, kann bei den bisher bekannten Immundefektunterarten (über 300) unterschiedlich ausfallen. So können manche Patienten mit einem primären Immundefekt eine ganz normale Impfreaktion aufweisen, andere jedoch entwickeln keinen Impfschutz und in manchen Fällen kann sogar der Impfstoff selbst eine Bedrohung für den Geimpften darstellen.1

Keine Lebendimpfstoffe

Menschen mit einem primären Immundefekt verfügen nicht über die nötige Immunabwehr, um bestimmte Impfstoffe zu bekämpfen. So sollten sie beispielsweise keine Impfstoffe mit funktionsfähigen Viren oder Bakterien bekommen. Dies schließt auch Impfungen gegen Masern, Kinderlähmung und Windpocken ein.2 Wenn Menschen mit einem primären Immundefekt solche Impfstoffe erhalten, kann dies möglicherweise zu Infektionen führen. Zudem sollten auch Familienmitglieder oder Betreuer auf keinen Fall mit Lebendvirusimpfstoffen behandelt werden, da sie das Virus an den PID-Patienten weitergeben könnten. Wenn man an einem primären Immundefekt leidet, ist es außerdem wichtig, den Kontakt mit Personen zu vermeiden, die vor kurzem erst einen Lebendimpfstoff erhalten haben. Im Gegensatz zu Lebendimpfstoffen stellen Totimpfstoffe kein so hohes Risiko für PID-Patienten dar. So ist beispielsweise ein Grippeimpfstoff mit inaktivierten Viren eine sichere Alternative zum Lebendimpfstoff für Influenza. Dies gilt analog auch für andere Arten von Impfstoffen mit inaktivierten Erregern.1

Impfstoffe mit abgeschwächten Lebendviren

Immunglobuline können die Wirksamkeit von Lebendvirusimpfstoffen (z. B. gegen Masern, Röteln, Mumps und Windpocken) vermindern. Der Nutzen einer Impfung während einer Immunglobulin-Therapie ist noch nicht vollständig erforscht.1

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt

Wenn Sie weitere Informationen zu Impfstoffen im Zusammenhang mit dem primären Immundefekt bekommen wollen, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Ihre Pflegekraft. Wenn Sie bereits eine Immunglobulin-Therapie erhalten, informieren Sie bitte unbedingt Ihren Arzt, bevor Sie sich in irgendeiner Form impfen lassen.

Quellennachweis: 1. Blaese RM, Bonilla FA, Stiehm ER, Younger ME, eds. Patient & Family Handbook for Primary Immunodeficiency Diseases. 5th ed. Towson, MD: Immune Deficiency Foundation; 2013. 2. National Institutes of Health. National Institute of Child Health and Human Development. Primary Immunodeficiency: When the Body's Defenses Are Missing. Bethesda, MD: National Institutes of Health; 1999. NIH publication 99-4149.