Das Blut dient als Transportsystem des Körpers. Somit sind Blut und Immunsystem eine untrennbare Einheit, weil im Blut alle auf das Abwehrsystem spezialisierten Zellen und Proteine vorhanden sind. Die spezialisierten Zellen sind weiße Blutkörperchen (Leukozyten), die im Knochenmark produziert werden. Hierzu zählen beispielsweise die Lymphozyten (T-Zellen & B-Zellen) und die Phagozyten. Das gesamte Immunsystem ist ein Zusammenspiel von Proteinen im Blut und diese tragen einen entscheidenden Teil beim Schutz vor Infektionen bei. Wenn dagegen bei einem Menschen eines oder mehrere dieser Elemente des Immunsystems fehlen, ist dieser anfällig für bestimmte Erkrankungen. Die unterschiedlichen Bestandteile des Systems werden im Folgenden näher erklärt:

T-Zellen

T-Zellen (T-Lymphozyten)

T-Zellen sind Abwehrzellen des Immunsystems mit unterschiedlichen Aufgaben und Teil der adaptiven (erworbenen) Immunreaktion. Die T-Zellen sind verantwortlich für den Langzeitschutz vor Infektionen. Im Gegensatz zu den B-Lymphozyten können die T-Zellen jedoch keine Antikörper (Eiweiße, die eine wichtige Rolle bei der Abwehr fremder Substanzen (wie Krankheitserregern) spielen) bilden.

Es gibt vier verschiedene Arten von T‑Zellen, die unterschiedliche Spezialaufgaben erfüllen:

  1. T Helferzellen: Können erkennen, dass die Zelle von einem Virus befallen ist. Dadurch verhindert sie, dass die Körperzelle weitere Viren produziert. Zusätzlich bereitet sie die anderen Zellen des Immunsystems auf die Abwehr vor. So befehlen die T Helferzellen den B-Zellen, Antikörper zu produzieren.1

  2. Zytotoxische T Zellen/ T Killerzellen: Zerstören infizierte Zellen durch Auflösung der Membran (dünne Material- oder Gewebeschicht, die zwei Räume voneinander abtrennt). Sie sind insbesondere bei der Abwehr gegen Viren effektiv.1

  3. Regulatorische T Zellen: Herunterfahren des Immunsystems nach erfolgreicher Beseitigung der Eindringlinge. Sie unterdrücken bzw. regulieren die Immunantwort bei körpereigenen Zellen. Regulatorische T-Zellen spielen bei der Verhinderung von Autoimmunerkrankungen eine wichtige Rolle.1

  4. T Gedächtniszellen: Entstehen bei der Immunantwort und speichern, wie eine Infektion erfolgreich bekämpft wird. Sie können rasch reagieren, wenn die gleiche Infektion erneut auftritt, da sie auch noch nach überstandener Infektion im Blut zirkulieren. Bei erneutem Kontakt mit einem Fremdkörper werden die T-Gedächtniszellen aktiv und lösen eine rasche Immunantwort aus.1

B-Zellen

B-Zellen (B-Lymphozyten)

B-Zellen gehören zur Gruppe der weißen Blutkörperchen und sind Teil der erworbenen Immunabwehr. Ihre wichtigste Funktion ist Bildung von Antikörpern (Antikörper sind hoch spezialisierte Proteine im Blut und werden auch als Immunglobuline, abgekürzt Ig, bezeichnet.). Wenn B-Zellen auf krankheitsverursachende Substanzen treffen, reifen sie zu Plasmazellen heran, die Antikörper produzieren. Antikörper sorgen dafür, dass Krankheitserreger leichter abgetötet werden können, indem sie das Immunsystem darauf aufmerksam machen, dass die Keime vernichtet werden müssen. Sie setzen sich an der Oberfläche der körperfremden Eindringlinge fest und markieren sie so als Angriffsziele.1

Es gibt fünf Haupttypen von Antikörpern:

  1. IgM-Antikörper: Sie reagieren als erstes und zeigen die akute Infektionsphase einer Krankheit an. Sie haben eine wichtige Schutzfunktion während der ersten Tage der Infektion. Diese Antikörper bleiben tendenziell im Blutstrom, wo sie helfen, Bakterien abzutöten.1

  2. IgG-Antikörper: Sie reagieren als nächstes und bilden sich in einer verzögerten Abwehrphase (3 Wochen) und bleiben lange erhalten. Diese Antikörper werden in großen Mengen gebildet und leisten ihre Dienste im Blut und in den Körpergeweben. Sie binden an Krankheitserreger und erleichtern den Immunzellen die Vernichtung. IgG-Antikörper können z.B. schon über die Plazenta der Mutter zu ihrem ungeborenen Kind übertragen werden.1

  3. IgA-Antikörper: Diese werden auf allen Schleimhäuten der Atemwege, der Augen, des Magen-Darm-Trakts und auch über spezielle Drüsen rund um die Brustwarze von stillenden Müttern abgesondert und schützen den Säugling somit vor Krankheitserregern. Allgemein schützen sie vor Infektionen der Atemwege und des Darmtrakts.1

  4. IgE-Antikörper: Vermitteln den Schutz vor Parasiten, wie z. B. Würmern und sind an allergischen Reaktionen beteiligt. IgE findet man auf Zellmembranen, im Blut ist es praktisch nicht vorhanden.1

  5. IgD-Antikörper: Sind nur in geringen Mengen in Blut und Lymphgefäßen vorhanden und können auf der Oberfläche von B-Zellen vorliegen. Welche Funktionsweise sie haben, ist aber noch nicht vollständig geklärt.1

Antikörper sorgen dafür, dass Krankheitserreger leichter abgetötet werden können, indem sie das Immunsystem darauf aufmerksam machen, dass die Keime vernichtet werden müssen.1

Fresszellen (Phagozyten)

Fresszellen sind Zellen, die den Krankheitserreger umschließen und verdauen. Die Fresszellen gehören zur sog. angeborenen Immunität. Sie reagieren schnell, aber unspezifisch auf körperfremde Substanzen. Das heißt, die Fresszellen reagieren bei jedem Kontakt mit einem Fremdkörper immer wieder gleich stark. Denn im Gegensatz zur erworbenen ist die angeborene Immunität nicht lernfähig. Die wichtigsten Arten von Phagozyten sind neutrophile Granulozyten, Monozyten und Makrophagen. Makrophagen sind Riesenfresszellen, die als eine Art „Straßenkehrer“ fungieren. Sie suchen nach eingedrungenen Krankheitserregern, an die sich Antikörper angelagert haben, und signalisieren dann anderen Makrophagen, herbeizueilen und diese Erreger zu vernichten.1

Komplementsystem

Das Komplementsystem gehört zur angeborenen Immunabwehr und ist damit Bestandteil des Immunsystems beim Menschen. Es ist ein in der Blutbahn befindliches System von Plasmaproteinen (Proteine im Blut), das den Körper gegen Krankheitserreger verteidigt. Etwa 25 Plasmaproteine sind am Komplementsystem direkt oder indirekt beteiligt. Mit der Aktivierung des Komplementsystems läuft eine Komplementkaskade ab, was bedeutet, dass die darauffolgenden Reaktionen zusammenhängend, aufbauend, schnell und unumkehrbar ablaufen. Diese Proteine arbeiten mit Antikörpern und Phagozyten zusammen, um den Körper von Infektionen zu befreien. Das Ziel der Aktivierung des Komplementsystems ist die Erkennung, die Auflösung und der Abtransport einer körperfremden Zelle.1