Ursachen
Nach Transplantationen
Das Immunsystem erkennt ein transplantiertes Organ als körperfremd und versucht, es zu zerstören. Eine Abstoßungsreaktion wäre die Folge. Um dies zu verhindern, nehmen Transplantierte lebenslang Immunsuppressiva ein. Diese unterdrücken das Immunsystem so weit, dass es das Spenderorgan toleriert. Der Nachteil: Dies beeinträchtigt auch die Abwehr von Krankheitserregern.
Besonders hoch ist das Infektionsrisiko direkt nach der Operation: Zum einen stellt die Operationswunde eine günstige Eintrittsstelle für Erreger dar. Zum anderen können bei den Betroffenen latente (nicht aktive) Erreger – beispielsweise Herpes-Viren – durch das medikamentös unterdrückte Immunsystem wieder aktiviert werden und sich vermehren. Zudem können auch Erreger aus dem Spenderorgan in den Körper gelangen. Nach etwa sechs bis zwölf Monaten sinkt das Infektionsrisiko. Zur Vorbeugung gegen Infektionen werden zusätzlich Medikamente wie beispielsweise Antibiotika oder Virostatika eingesetzt .
Bei Autoimmunerkrankungen bzw. chronisch-entzündlichen Erkrankungen
Diese Erkrankungen entstehen aufgrund eines fehlgeleiteten Immunsystems. Sogenannte Autoantikörper greifen körpereigenes funktionsfähiges Gewebe an und schädigen oder zerstören es. Zu dieser Gruppe gehören chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn), Typ-1-Diabetes oder entzündlich-rheumatische Erkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis). Weiterhin gibt es Autoimmunerkrankungen, die das Nervensystem bzw. Teile davon angreifen und entsprechende Ausprägungen zeigen. Hierzu gehören etwa das Guillain-Barré-Syndrom, das Kawasaki-Syndrom, CIPD oder MMN. Auch Erkrankungen der Muskeln (Myositiden), der Haut (Dermatosen) oder der Gefäße (Vaskulitiden) können aufgrund überschießender Immunreaktionen gegenüber dem eigenen Körper entstehen. Weitere Informationen zu Autoimmunerkrankungen erhalten Sie hier.
Immunsuppressiva dienen dazu, diese Reaktionen des Immunsystems zu unterdrücken. Es gibt verschiedene Stoffgruppen, die an unterschiedlichen Stellen in die Immunreaktionen eingreifen. Die sogenannten Biologika blockieren beispielsweise die Aktivierung von Immunzellen. Welche Immunsuppressiva zum Einsatz kommen, entscheiden die behandelnden Ärztinnen und Ärzte in Abhängigkeit von der vorliegenden Erkrankung. Alle diese Medikamente schwächen jedoch die Abwehrkraft des Immunsystems gegenüber Krankheitserregern. Betroffene sind damit anfälliger für Infektionen.
Bei Krebserkrankungen
Sowohl eine Krebserkrankung selbst als auch deren Behandlung kann das Immunsystem schwächen . Die bei einer Chemotherapie eingesetzten Medikamente (sogenannte Zytostatika) greifen insbesondere Zellen an, die sich schnell teilen. Sie stoppen ihr Wachstum oder verhindern, dass sie sich vermehren. Diese Wirkung betrifft neben den Krebszellen aber auch das Knochenmark, in dem alle Blutzellen – also auch die Immunzellen – gebildet werden . Die immunsuppressive Wirkung mancher Zytostatika ist somit kein erwünschter Effekt wie bei den therapeutisch eingesetzten Immunsuppressiva, sondern eine Nebenwirkung. Wie weit dieser immunsuppressive Effekt sich bemerkbar macht, variiert individuell stark und hängt von den verabreichten Zytostatika, der Behandlungsdauer und der Krebserkrankung selbst ab.
Neben den klassischen Chemotherapien werden zunehmend sogenannte Krebsimmuntherapien eingesetzt. Diese als Immunonkologie bekannte Therapieform nutzt das eigene Immunsystem zur Bekämpfung von Krebserkrankungen. Hierbei kommen unterschiedliche Mechanismen zum Einsatz, beispielsweise die Aktivierung von T-Zellen durch sogenannte Checkpoint-Inhibitoren. All diesen Ansätzen liegt das gezielte Erkennen und Zerstören von Krebszellen zugrunde. Allerdings verändern diese Therapien die Funktionsweise des Immunsystems – wirken also immunmodulierend. Das kann auch die Immunabwehr des gesamten Organismus beeinflussen.
Je nach individueller Konstitution der Betroffenen können bestimmte Impfungen vor Beginn einer Immun- oder Chemotherapie das Immunsystem unterstützen. Hilfreich sind außerdem Hygienemaßnahmen (z. B. große Menschenansammlungen und engen Kontakt zu Haustieren vermeiden, auf Gartenarbeit verzichten).
Typ-2-Diabetes/Altersdiabetes
Als Folge dieser Stoffwechselstörung steigen die Blutzuckerwerte stark an. Die erhöhte Glukosekonzentration kann Gefäße und Organe schädigen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes zählen eine erbliche Veranlagung, Übergewicht, zu wenig Bewegung und eine ungesunde Ernährung.
Eiweißverlust über die Nieren
Was ist das?
Die Niere ist ein wichtiges Organ für den Stoffwechsel. Sie hat unter anderem die Aufgabe, Wasser und Abbauprodukte des Stoffwechsels auszuscheiden. Hierzu wird das Blut in den kleinen Nierenkörperchen (Glomeruli) gefiltert. Größere Teilchen wie Zellen sowie Zucker und Eiweiße (Proteine) passieren diesen Filter nicht. Bestimmte Erkrankungen der Niere, aber beispielsweise auch Diabetes können die Nierenkörperchen schädigen. Sie werden dadurch durchlässiger für Eiweiße und es entwickelt sich das sogenannte nephrotische Syndrom (griechisch „nephros“ = Niere).
Es wird auch als Proteinverlustsyndrom bezeichnet, denn kennzeichnend ist, dass vermehrt Proteine durch die Nieren ausgeschieden werden. Die Eiweißmenge im Blut nimmt dadurch stark ab. Da Proteine Wasser im Blut halten, führt dieser Eiweißmangel im Blut zu Wasseransammlungen in Geweben, den sogenannten Ödemen. Sie zeigen sich als Schwellungen vor allem an Beinen oder Armen. Betroffene weisen außerdem erhöhte Blutfettwerte auf.
Welche Auswirkungen hat das nephrotische Syndrom auf das Immunsystem?
Die verstärkte Proteinausscheidung durch die Nieren betrifft auch Antikörper (Immunglobuline), denn bei ihnen handelt es sich um Eiweiße. Der dadurch entstehende Mangel an Antikörpern erhöht die Anfälligkeit für Infektionen . Betroffene können von einer Immunglobulin-Ersatztherapie profitieren.
Weitere Informationen dazu finden Sie hier.