XLA (x-chromosomal vererbte Agammaglobinämie, Bruton-Syndrom)

Definition

XLA ist ein erblich bedingter primärer Immundefekt, bei dem eine Mutation (Veränderung) des Gens vorliegt, das die normale Entwicklung von B-Lymphozyten steuert. Das für die Mutation verantwortliche Erbmaterial befindet sich auf dem X-Chromosom, weshalb die Erkrankung auch als „x-chromosomal vererbte Agammaglobulinämie“ bezeichnet wird.1

Die geschilderte Mutation führt dazu, dass sich die B-Lymphozyten nicht zu Plasmazellen entwickeln können. Weil diese Plasmazellen fehlen, kommt es folglich bei Patienten mit XLA zu einem schweren Mangel an Antikörpern (Immunglobulinen).1

Die normale Entwicklung von Plasmazellen läuft in mehreren Schritten ab und beginnt mit den sogenannten Stammzellen, die sich im Knochenmark befinden. Diese produzieren unreife weiße Blutkörperchen (Lymphozyten), welche als „Pro-B-Lymphozyten“ bezeichnet werden und sich zu „Prä-B-Lymphozyten“ entwickeln. Diese Prä-B-Lymphozyten bilden dann B-Lymphozyten, auch B-Zellen genannt. Die B-Lymphozyten reifen zu Plasmazellen heran. Wenn die Plasmazellen dann auf verschiedene krankheitsverursachende Substanzen treffen, produzieren sie für die jeweilige Substanz spezifische Immunglobuline.1

XLA war eine der ersten PID-Unterart die entdeckt wurde und wird, nach Ihrem Entdecker Bruton, häufig auch als „Bruton-Syndrom“ bezeichnet. Es handelt sich um eine angeborene Agammaglobulinämie, da der betroffene Patient von Geburt an nicht in der Lage ist, Antikörper zu produzieren.1

XLA wird in einer Familie X-chromosomal-rezessiv vererbt. Der genetische Defekt bei XLA liegt auf dem X-Chromosom, was bewirkt, dass hiervon nur das männliche Geschlecht betroffen ist. Allerdings wurden in den letzten Jahren zusätzlich Fälle bekannt, bei denen auch ein XLA ähnlicher Immundefekt bei Mädchen bzw. Frauen auftrat. Da das Gen, das eine XLA verursacht, bekannt ist, können sich weibliche Verwandte von XLA-Patienten darauf testen lassen, ob sie das Gen in sich tragen. In manchen Fällen kann auch getestet werden, ob der Fötus einer Trägerin des XLA-Gens mit dieser Erkrankung auf die Welt kommen wird.1

Symptome

Menschen mit XLA leiden häufig an Infektionen der Nasennebenhöhlen, der Ohren, der Atemwege bis hinab zu der Lunge. Zudem kann es zu Infektionen der Blutbahn oder der inneren Organe kommen. Auch Infekte des Magen-Darm-Trakts, vor allem ein Befall mit „Giardien“, einem Parasit, stellt ein Problem dar. Außerdem haben XLA-Patienten manchmal Probleme mit Hautinfektionen.1

Die ärztliche Untersuchung von XLA-Patienten lässt meist sehr kleine Mandeln und Lymphknoten (Drüsen am Hals) finden. Grund dafür ist, dass die Mandeln und die Lymphknoten zum größten Teil aus B Lymphozyten bestehen. Bei Menschen mit XLA führt der durch den Gendefekt ausgelöste Mangel an B Lymphozyten zu einer reduzierten Größe dieser Gewebe.1

Diagnose und Behandlung

Bei der Untersuchung auf XLA wird zuerst ein Bluttest durchgeführt, bei dem die Konzentration der Immunglobuline überprüft wird. Bei den meisten Menschen mit XLA liegen die Immunglobuline (IgG, IgM und IgA) nur in kleinen Mengen vor oder fehlen ganz.1

Bei Verdacht auf XLA untersucht der Arzt mit einem zusätzlichen Bluttest den prozentualen Anteil der B Zellen. Das sind die Immunzellen, die bei einem XLA nicht produziert werden. Eine niedrige Anzahl an B Zellen im Blut gilt als der verlässlichste Hinweis auf XLA.1

Die Diagnose kann zusätzlich durch einen Test abgesichert werden. Hier wird das Fehlen des „Bruton-Tyrosinkinase“ (BTK) Proteins oder eine Anomalie (Fehlentwicklung) des BTK-Gens nachgewiesen.1

Ihr Arzt wird entscheiden, welche Behandlung individuell für Sie die richtige ist und auf welche spezifischen gesundheitsrelevanten Anforderungen bei Ihnen zu achten ist.